Bei Transaktionen im Private-Equity- und Venture-Capital-Umfeld gehören die finanzielle, rechtliche und kommerzielle Prüfung zum Standard. Die Technologie blieb lange außerhalb dieses Schemas – obwohl sie bei Software-, Plattform- und technologiegetriebenen Unternehmen einen wesentlichen Teil des Unternehmenswerts ausmacht. Marktabschätzungen zufolge wird dennoch nur bei rund 15 Prozent der Private-Equity-Transaktionen eine eigenständige technische Prüfung durchgeführt. In vielen Fällen verlässt sich der Investor damit ausgerechnet bei jenem Teil des Geschäfts auf Annahmen, der für Skalierbarkeit, Produktentwicklung und künftiges Wachstum entscheidend ist.
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Das wachsende Bewusstsein für dieses Risiko macht Technology Due Diligence – häufig kurz Tech DD genannt – zu einem immer wichtigeren Bestandteil des Investitionsprozesses. Dabei geht es nicht um eine isolierte Bewertung der Codequalität. Entscheidend ist vielmehr die Frage, ob die Technologie die Strategie tragen kann, für deren Umsetzung das Unternehmen erworben wird.

Was Technology Due Diligence leistet
Technology Due Diligence ist eine strukturierte Bewertung des technologischen Zustands eines Zielunternehmens im Rahmen einer Investitionsentscheidung. Untersucht werden unter anderem Architektur und Technologie-Stack, Codequalität und Engineering-Praktiken, Infrastruktur und Cloud-Readiness, Informationssicherheit und Compliance, KI- und Datenreife, Skalierbarkeit sowie die Reife des Engineering-Teams und der Delivery-Prozesse.
Der zentrale Unterschied zu einem allgemeinen Technologieaudit liegt in der Verknüpfung mit der Investmentthese. Ein System kann für moderates organisches Wachstum völlig ausreichen und zugleich zu einem erheblichen Risiko werden, wenn der Businessplan eine schnelle Expansion, zahlreiche Partnerintegrationen, eine Buy-and-Build-Strategie oder die Gewinnung von Enterprise-Kunden mit hohen Sicherheitsanforderungen vorsieht. Eine technische Bewertung ohne Bezug zum Wertschöpfungsplan des Investors bleibt daher in ihrer praktischen Aussagekraft begrenzt.
Erkenntnisse, die im Datenraum nicht sichtbar werden
Die Erfahrung aus technischen Prüfungen zeigt, dass die teuersten Erkenntnisse nur selten direkt aus den Unterlagen im Datenraum hervorgehen. Sichtbar werden sie meist erst durch den Read-only-Zugriff auf den Quellcode, die Analyse der Infrastruktur und Gespräche mit dem Engineering-Team.
Bei einem von Altimi geprüften Unternehmen – einem etablierten B2B-Marktplatz, der seit mehr als zehn Jahren grenzüberschreitend in Europa tätig ist – gaben die kommerziellen Kennzahlen keinen Anlass zur Sorge. Die Plattform hatte ihre Stabilität über Jahre bewiesen. Erst die Architekturanalyse zeigte, dass das organische Wachstum zu engen Abhängigkeiten zwischen den Modulen und unzureichend abgegrenzten Schnittstellen geführt hatte. Die Folge war messbar: Mit wachsendem Team sank die Liefergeschwindigkeit, während externe Integrationen zunehmend schwieriger und risikoreicher wurden.
In einem anderen Fall, einer SaaS-Plattform für Betreiber mehrerer Standorte, waren Product-Market-Fit und Teamstabilität überzeugend. Die Prüfung zeigte jedoch, dass kritisches Wissen über Incident Response, Integrationslogik und Deployment-Prozesse auf wenige Personen konzentriert und nicht ausreichend formalisiert war. In gründergeführten Unternehmen ist das nicht ungewöhnlich, verändert nach einer Übernahme aber das operative Risikoprofil erheblich.
Ein drittes Beispiel betraf eine etablierte SaaS-Plattform mit starker Kundenbasis in Zentral- und Osteuropa. Retention und Produkt-Roadmap wirkten solide, doch das Management von Abhängigkeiten und die Versionierung von Open-Source-Komponenten waren nicht standardisiert. Auch die Reife der CI/CD-Prozesse blieb hinter der Größe der Plattform zurück. Keine dieser Feststellungen stellte die Transaktion grundsätzlich infrage. Jede musste jedoch vor dem Closing in der Integrations- und Wertschöpfungsplanung berücksichtigt werden.
Allen Fällen ist gemeinsam, dass die Geschäftskennzahlen das Problem nicht signalisierten. Technische Schulden erscheinen nicht im Umsatzreport. Sie werden erst sichtbar, wenn sie die Skalierung bremsen – und dann trägt der Käufer bereits die Kosten.
Der Engpass ist die Zeit – nicht die Untersuchungstiefe
Die größte praktische Herausforderung bei einer transaktionsbezogenen technischen Prüfung ist der Zeitplan. Das Analysefenster ist eng und muss sich in den Takt des Deal-Prozesses einfügen. Historisch führte das häufig zu einer unbefriedigenden Wahl zwischen einer oberflächlichen Prüfung und einer Analyse, die den Zeitplan der Transaktion verzögert.
Altimi begegnet diesem Problem mit einem klar definierten Leistungsmodell: Technology Due Diligence wird zu einem Fixpreis, mit vorab vereinbartem Umfang und innerhalb von zwei Wochen durchgeführt. Der Prozess umfasst vier Phasen. In den ersten beiden Tagen werden Mandat, Investmentthese und Prüfschwerpunkte abgestimmt. Anschließend folgen eine KI-gestützte Analyse von Codebasis, Abhängigkeiten, Infrastrukturkonfiguration und Sicherheitslage, vertiefende Gespräche mit der technischen Leitung des Zielunternehmens sowie die Bewertung von Team- und Delivery-Reife. Den Abschluss bilden der vollständige Bericht und die Präsentation für das Investitionskomitee.
Der Einsatz künstlicher Intelligenz verkürzt die technische Erkundungsphase nach Altimis Projekterfahrung um rund 60 Prozent. Er ersetzt jedoch nicht die Expertenbewertung. Werkzeuge können Abhängigkeiten, Muster und Auffälligkeiten im Code deutlich schneller erfassen als Menschen. Ob eine Feststellung die Investmentthese gefährdet, eine Preisanpassung rechtfertigt oder in die 100-Tage-Planung gehört, müssen erfahrene Engineers und Transaktionsberater beurteilen. Gerade diese klare Aufgabenteilung ermöglicht eine tiefe Analyse trotz engem Zeitfenster.
Die Belastung für das Zielunternehmen bleibt dabei geringer, als viele Deal-Teams zunächst annehmen. In der Regel genügen ein Read-only-Zugriff auf Code-Repositories und Cloud-Konsole sowie zwei bis drei Sessions mit CTO, VP Engineering oder der verantwortlichen technischen Leitung. Die Arbeit beginnt erst nach Unterzeichnung einer Vertraulichkeitsvereinbarung und kann durchgeführt werden, bevor sensible Details zur eigentlichen Transaktion offengelegt werden.
Für die Entscheidung aufbereitet – nicht für das Archiv
Der Wert einer technischen Prüfung hängt wesentlich von der Form ihres Ergebnisses ab. Ein Bericht, der lediglich technische Probleme beschreibt, lässt den Investor mit der entscheidenden Frage allein: Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für Bewertung, Vertragsgestaltung und den Plan nach dem Closing?
Altimi erstellt deshalb ein vollständiges, für das Investitionskomitee aufbereitetes Entscheidungspaket. Dazu gehören ein rund 50-seitiger Bericht mit Rot-Gelb-Grün-Bewertung, eine nach Wesentlichkeit priorisierte Risikomatrix mit Go-/No-Go-Empfehlung, eine Bewertung von Skalierbarkeit sowie KI- und Datenreife, eine Einschätzung der Team- und Delivery-Reife und eine 90-Tage-Roadmap für die Wertschöpfung. Ergänzt wird das Paket durch eine Executive-Präsentation für das Investitionskomitee und definierte Korrekturschleifen.
Besonders relevant ist die 90-Tage-Roadmap. Sie übersetzt die Ergebnisse der Prüfung in einen umsetzbaren Plan, der am Tag des Closings gestartet werden kann. Jedes wesentliche Risiko wird mit einer konkreten Maßnahme, einer Priorität und einer Aufwandsschätzung verknüpft. Dadurch können technische Risiken als belastbare Positionen in das Finanzmodell und den Value-Creation-Plan aufgenommen werden – statt lediglich als pauschale Reserve.
Unabhängigkeit als Voraussetzung für Glaubwürdigkeit
Eine technische Bewertung ist nur dann belastbar, wenn ihr Verfasser kein wirtschaftliches Interesse an einem bestimmten Ergebnis hat. In der Praxis wird dieser Grundsatz mitunter verwässert, wenn die prüfende Partei zugleich auf spätere Entwicklungs- oder Transformationsaufträge beim Zielunternehmen hofft.
Altimi setzt deshalb auf klare Verfahrensregeln: Das Mandat erfolgt ausschließlich auf Käuferseite, die Prüfung wird zum Fixpreis und ohne Verknüpfung mit Folgeaufträgen abgerechnet, frühere Beziehungen zum Zielunternehmen werden offengelegt und bei einem wesentlichen Interessenkonflikt wird das Mandat abgelehnt. Für das Investitionskomitee ist das von unmittelbarer Bedeutung, weil nur unter diesen Voraussetzungen eine Go-/No-Go-Empfehlung als unabhängig bewertet werden kann.
Eine seriöse Tech DD benennt zugleich ihre Grenzen. Sie konzentriert sich auf Technologie, Infrastruktur, Sicherheit, Compliance und die Leistungsfähigkeit der Engineering-Organisation. Sie ersetzt weder die Validierung des Finanzmodells noch Marktgrößenanalysen, die juristische Prüfung von IP-Streitigkeiten oder die Commercial Due Diligence. Den größten Nutzen entfaltet sie, wenn technische und kommerzielle Erkenntnisse zusammengeführt werden und das Investitionskomitee ein konsistentes Gesamtbild des Zielunternehmens erhält.
Der österreichische und europäische Kontext
Für Fonds und strategische Investoren in Österreich sowie im gesamten DACH-Raum hat Technology Due Diligence zusätzlich eine regulatorische und marktbezogene Dimension. Die Einhaltung der DSGVO, Anforderungen nach Standards wie ISO 27001 oder SOC 2 sowie die Sicherheits- und Audit-Erwartungen großer Unternehmenskunden bestimmen ganz konkret, welche Märkte und Kundensegmente dem Zielunternehmen offenstehen. Eine Lücke in diesem Bereich ist kein technischer Nebenaspekt, sondern ein Wachstumshemmnis, das in Bewertung und Integrationsplanung berücksichtigt werden muss.
Ebenso relevant ist der Ort, an dem Transaktionsdaten und Quellcode während der Prüfung verarbeitet werden. Die Zusammenarbeit mit einem in der Europäischen Union ansässigen und nach ISO 27001 zertifizierten Partner ermöglicht es, sensible Unterlagen während des gesamten vertraulichen Prozesses im europäischen Datenschutzraum zu halten. Bei grenzüberschreitenden Transaktionen kann dies ebenso wichtig sein wie der Inhalt der technischen Feststellungen selbst.
Für österreichische Auftraggeber kommt ein zusätzlicher lokaler Vertrauensanker hinzu: Altimi wird von Business Upper Austria als Partnerunternehmen im IT-Cluster geführt. Der von der oberösterreichischen Wirtschaftsagentur betreute Cluster vernetzt Technologieanbieter mit Industrie, Forschung und regionalen Innovationspartnern. Für österreichische Investoren und Unternehmen ist diese Einbindung besonders relevant, weil sie Altimis internationale Delivery-Kompetenz mit einem etablierten österreichischen Technologie- und Wirtschaftsnetzwerk verbindet.
Technology Due Diligence als Teil der Investitionsrechnung
Das überzeugendste Argument für viele Deal-Teams ist der Vergleich zwischen den Kosten der Prüfung und den Kosten ihres Verzichts. Konzentriertes Schlüsselpersonenrisiko, verborgene technische Schulden, Sicherheits- und Compliance-Lücken, ungeklärte Abhängigkeiten sowie nicht nachgewiesene Skalierbarkeit gehören zu den Faktoren, die den Wert eines Technologieunternehmens besonders schnell beeinträchtigen können. Genau diese Themen macht eine fundierte Prüfung vor Vertragsunterzeichnung sichtbar.
Eine vor der Transaktion erkannte Feststellung wird Teil der Verhandlung: Sie kann zu einer Preisanpassung, einer vertraglichen Absicherung oder einer bewusst budgetierten Maßnahme im Value-Creation-Plan führen. Dieselbe Feststellung nach dem Closing ist dagegen nur noch ein ungeplanter Kostenblock. Der Unterschied liegt letztlich darin, welche Seite das Risiko zuerst quantifiziert hat.
Über Altimi
Altimi ist ein europäischer Technologiepartner mit mehr als 20 Jahren Erfahrung und einem Team von über 250 Spezialistinnen und Spezialisten. Das Unternehmen unterstützt Private-Equity- und Venture-Capital-Fonds sowie technologiegetriebene Unternehmen in Europa. Im Transaktionsumfeld führt Altimi Technology Due Diligence auf Käuferseite durch und hat mehr als 100 Prüfungen in den Bereichen SaaS, FinTech, HealthTech und industrieller Deep Tech umgesetzt – gestützt auf die Erfahrung aus über 150 Engineering-Projekten. Das Leistungsportfolio umfasst Produkt- und Anwendungsentwicklung, DevOps, Cloud Security und Managed Services sowie KI und Datenmanagement. Altimi ist in der Europäischen Union ansässig, nach ISO 27001 zertifiziert und als Partnerunternehmen im IT-Cluster von Business Upper Austria verankert. Weitere Informationen zum Umfang und Ablauf der Technology Due Diligence sind auf der Website von Altimi verfügbar. (Erstveröffentlichung: 24.07.2026)