Systemkamera-Test: Die Canon EOS M auf Basis der EOS 650D mit Magic Lantern im Review

Die EOS M ist der Versuch von Canon, endlich im Segment der Systemkameras zu reüssieren. Sie soll eine echte Alternative zu einer digitalen Spiegelreflex oder ein Upgrade von einer Kompaktknipse sein.

In unserem Test erfahren Sie, wo die Vor- und Nachteile dieses neuen Systems sind. Ähnlich wie andere Kamerahersteller setzt Canon auch auf einen kompakteres Bajonett, das als EF-M firmiert. Das Angebot dafür ist überschaubar, wobei es neben dem Kit-Objektiv EF-M 18-55mm f/3.5-5.6 IS STM auch ein Set mit der großartigen EF-M 22mm f/2 STM Festbrennweite gibt. Letzteres wird vom Hersteller im Set mit einem Objektivadapter angeboten, der zu herkömmlichen Canon-Linsen kompatibel ist. Darüber hinaus kann man sich für ein EF-M 11-22mm f/4-5.6 IS STM im Weitwinkel- und für das EF-M 55-200mm f/4.5-6.3 IS STM im Tele-Bereich entscheiden. Einige Fremdhersteller haben weitere Objektive herausgebracht, die eigens für dieses Bajonett adaptiert wurden.

Grundsätzliches zur Canon EOS M

Die Canon EOS M Systemkamera im Test
Die Canon EOS M Systemkamera im ausführlichen Test

Diese Kamera entspricht im Grunde der EOS 650D, einem der am meisten verkauften DSLR-Modelle. Leider hatte die EOS M am Beginnt ein Problem mit der Geschwindigkeit, das hat der Hersteller jedoch durch ein Firmware-Update ausgebessert. Trotzdem waren die Reviews natürlich am Beginn sehr negativ, was den Verkaufszahlen geschadet hat. Außerdem entschied sich Canon für einen vergleichsweise hohen Kaufpreis.

Ganz ohne Zweifel ist die EOS M eine sehr gute Fotokamera. Das Touchscreen-Display erleichtert die Bedienung enorm und es funktioniert gut, besonders wenn man – so wie bei einem Smartphone – einfach das scharfzustellende Motiv am Bildschirm berührt und dann automatisch ausgelöst wird.

Das Zubehör zur Canon EOS M ist überschaubar
Das Zubehör zur Canon EOS M ist überschaubar

Gleichzeitig ist der Touchscreen aber auch ein Negativpunkt bei der EOS M. Es passiert nämlich laufend, dass man aus versehen (z.B. wenn man die Kamera um den Hals trägt) Bilder schießt.

Ansonsten überzeugt die kleines EOS-Kamera aber durchaus. Glücklicherweise kann man sie – genauso wie die DSLR-Brüder und -Schwestern – mit der Software Magic Lantern tunen. Dadurch werden Zusatzfunktionen freigeschaltet, die man sonst nur in der Profiklasse bei Canon findet. Dazu gehört Focus-Peaking zum leichteren Scharfstellen oder man kann Full-HD-Videos mit einer deutlich höheren Bitrate aufnehmen.

Trotzdem ist die EOS M in Summe ihrer Konkurrenz unterlegen. Andere Systemkameras sind schneller, preiswerter oder einfach irgendwie stylischer.

Anfang 2015 hat Canon mit der EOS M3 einen Nachfolger auf den Markt gebracht. Hier hat man einige Punkte verbessert. So wurde ein Schwenkdisplay eingebaut, es gibt mehr Tasten am Gehäuse und einen integrierten Blitz. Außerdem gibt es nun einen Bildsensor, der 24 Megapixel anstelle von 18 bietet. In Summe handelt es sich hier um eine etwas geschrumpfte EOS 750D, wobei die M3 gleich viel kostet. Nach wie vor fehlt der Canon Systemkamera ein Sucher, er kann aber jetzt nachgekauft werden. An sich ist der Hersteller aber seiner bisherigen Linie treu geblieben und irgendwie wird man das Gefühl nicht los, dass Canon hier ein wenig halbherzig einen Markt bedient, der von Panasonic, Sony oder Olympus mit großem Erfolg geschaffen wurde.

Hier einige Impressionen der Canon EOS M Systemkamera der ersten Generation:

 

Warum sind Systemkameras so kompakt?
Ermöglicht wird die geringe Größe durch den Verzicht auf den sonst üblichen Schwingspiegel. Wer sich ein solches Modell ansieht, wird erkennen, dass der große Sensor ungeschützt im Gehäuse freiliegt. Wer also häufig in unterschiedlichen Umgebungen das Objektiv wechseln möchte, sollte eher zu einer konventionellen Spiegelreflex greifen, zumal hier auch normalerweise eine umfangreiche Auswahl an Linsen besteht. Jedoch sollte man nicht vergessen, dass viele Hersteller Adapter anbieten, mit denen die Objektive der „großen Brüder“ auch an Systemkameras verwendet werden können.
Systemkameras bieten grundsätzlich eine mit Spiegelreflex-Modellen vergleichbare Bildqualität, sind aber aufgrund des Verzichts an Mechanik deutlich kompakter. Je nach Objektiv können Sie fast die Abmessungen einer herkömmlichen Digicam besitzen, schlagen diese aber bei der Leistung in vielfacher Hinsicht.

Ein Blick auf das Sortiment an kompakten Systemkameras – beispielsweise beim Onlinehändler Amazon.de – zeigt auf, dass viele Hersteller inzwischen in diesem Segment aktiv sind: Von Olympus über Panasonic und Samsung bis zu Sony gibt es ein ziemlich großes Angebot an diesen praktischen Modellen. Die beiden DSLR-Marktführer Canon und Nikon haben sich erst spät in dieses System vorgewagt, was einerseits verwundert. Andererseits war es nur eine Frage der Zeit, bis man auch hier entsprechende Geräte vorstellte, um nicht Marktanteile an die Konkurrenz zu verlieren.

Enorm erfolgreich ist bei den Systemkameras Olympus mit der PEN-Serie, die auf dem eigens dafür entworfenen Micro Four Thirds-Standard aufbaut und hier nicht zuletzt auch wegen des Retro-Designs viele Anhänger gefunden hat. Dementsprechend erhielten die Modelle, angeführt von der PEN E-P1 und den Nachfolgern E-P2 bzw. E-PL1, zahlreiche Auszeichnungen. Das Konzept von großem Sensor, kompakten Abmessungen und ausgezeichneter Bildqualität überzeugte in der Praxis. Auch Panasonic hat inzwischen vorgezeigt, wie man mit cleveren Konzepten bei den Käufern punkten kann.

Systemkameras - wie die Canon EOS M - besitzen einen vergleichsweise großen Sensor
Systemkameras – wie die Canon EOS M – besitzen einen vergleichsweise großen Sensor

Für wen ist eine Systemkamera geeignet?
Zwar sind die handlichen Systemkameras im Vergleich zu einer vollwertigen Spiegelreflex deutlich leichter und benötigen beim Transport weniger Platz, sie sind aber auch nicht wirklich hosentaschentauglich. Gerade die oft etwas unförmig wirkenden Allround-Zoomobjektive wie etwa bei den Sony EVIL-Modellen der NEX- bzw. Alpha-Reihe vergrößern die Systemkameras aber ungemein. Wirklich tragbar sind diese Modelle dagegen, wenn man sie mit einer Festbrennweite ausstattet, wobei dann aber natürlich die Flexibilität leidet. Eine Sony Systemkamera mit 16 mm-Linse für rund 400 Euro ist insgesamt eine spannende Kombination und liefert sehr gute Bilder. Alternativ kann man neben den erwähnten Olympus-Modellen auch die anderen Hersteller empfehlen, die auf APS-C- oder Micro-Four-Thirds-Sensoren setzen.

Unser Fazit: Systemkameras sind eine willkommene Erweiterung im Bereich Digitalfotografie. Wobei sie ausgesprochen leistungsfähig sind, jedoch preislich oft auf dem Niveau ihrer größeren Brüder liegen. Insofern erklären sich die Anschaffungskosten in erster Linie durch die Entwicklung der neuen Technik bzw. der damit verbundenen Miniaturisierung. Wer möglichst flexibel beim Einsatz von Zubehör sein möchte, sollte zu einer konventionellen Spiegelreflex von Canon, Nikon, Pentax & Co. greifen. Als Zweitkamera daneben oder als Aufstieg von einer normalen Digicam sind die Modelle aber bestens geeignet und machen in der Praxis viel Spaß!


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